Florentina Holzinger (AT)

Apollon Musagète

G
Performance / Tanz
O
Graz
 

Sechs Frauen, bewaffnet mit Spitzenschuhen und Hanteln, setzen an, um dem allgegenwärtigen neoliberalen Körperkult gehörig zuzusetzen. Die junge Choreografin Florentina Holzinger versammelt ihre Musen, um Posterboy Apollon aus Balanchines gleichnamigem Ballett von seinem wohl gehüteten Thron zu stürzen.

Apollon Musagète (Foto: Josefin Arnell)

Tipps


Der herbst im 6er- und 10er-Block!

An Atypical Brain Damage

An Occasion

Where Are We Now?

Dope Saint Jude / Mobilegirl

Kulturvermittlung


Talks

Erstaufführung im deutschsprachigen Raum

 

Do 28/09, 19.30 & Fr 29/09, 21.30

Dom im Berg

90’

19 €

 

Ab 18 Jahren

Talk nach der Vorstellung am Fr 29/09


Die Inszenierungen von Florentina Holzinger sind geprägt durch kompromisslose Körper. Kickboxen, Ballett, Gewichtheben, Freakshow und Stunting: In einer nicht enden wollenden Tour de Force eignet Holzinger sich unterschiedlichste Körpertechniken an, die sie auf der Bühne zugleich meistert und zerstört. Eine Beschwörung der menschlichen Lebenskraft – mit Sexualität, Humor und großer Lust am Risiko.

In „Apollon Musagète“ seziert Holzinger das Genre der Freakshow und lässt es mit neoklassischem Ballett kollidieren. Ein nur aus Frauen bestehender Cast nimmt mit großer Leidenschaft Balanchines Choreografien auseinander und konfrontiert die strenge Form mit der unberechenbaren Kraft und dem tabulosen Witz der Performerinnen. Okkulte Fitnessgeräte, Werkzeuge und schweres Geschütz kommen zum Einsatz und lassen die skurrilen Gemeinsamkeiten zu Tage treten, die die revolutionären Performances der 1960er und 70er Jahre mit dem historischen Entertainment der „All American Freakshows“ verbindet: Kategorien von Genie und Dilettantismus geraten gehörig ins Wanken, virtuos entlarven die Tänzerinnen den klassischen Mythos von der perfekten Frau, wie er sich in Balanchines Musen manifestiert.

Holzinger sucht ihre Muse vielmehr in der perfekten Performerin – wohlwissend, dass auch diese Figur nur eine Behauptung ist. In einer Dualität von Genialität und Wahnsinn, Lust und Ekel, Brillanz und Trash, Entertainment und Hochkultur trägt sie mit ihren Performerinnen Körperbilder Schicht um Schicht zu Bedeutungshaufen zusammen, nur um im nächsten Moment gekonnt darauf auszurutschen: ein utopisches Narrativ über die Koexistenz sinnlicher, ineinander verschlungener Realitäten, oder, um es mit Donna Haraway zu sagen: „Tentacular thinking produces tentacular realities.“ Dabei bleibt niemand verschont, weder das Publikum noch die Künstlerinnen.

Von Florentina Holzinger
Mit Renée Copraij, Evelyn Frantti, Florentina Holzinger, Annina Lara Maria Machaz, Xana Novais, Maria Netti Nüganen
Sounddesign Stephan Schneider
Dramaturgie Sarah Ostertag
Bühnenbild Nikola Knežević
Technik Bram Geldhof, Anne Meeussen, Maarten Van Trigt
Outside Eye Michele Rizzo

Produktion CAMPO
Koproduktion steirischer herbst, Frascati Producties, La Bâtie – Festival de Genève, Münchner Kammerspiele, Sophiensaele, Künstlerhaus Mousonturm
Mit Unterstützung von MA7 Kulturabteilung der Stadt Wien
Dank an Btissame Amadour, Sina Christmann, Ghani Minne, Philippe Marchal, Blaze

Florentina Holzinger (AT)

Florentina Holzinger, geboren 1986 in Wien, ist als Tänzerin und Theatermacherin tätig. Nach ihrem Studium der Architektur übersiedelte sie zuerst nach Gent/Belgien um am Jugendtheater Kopergietery zu arbeiten, bevor sie an der Amsterdamer Kunsthochschule Choreografie zu studieren begann. Ihre Abschlussarbeit „Silk“ wurde 2012 beim ImPulsTanz Festival mit dem Prix Jardin d’Europe ausgezeichnet. 2015 wurde mit „Recovery“ Holzingers zweites Solostück uraufgeführt; ebenso wie sein Vorgänger eine Tour de Force aus Tanz und Experimentalkunst. Zwischen 2011 und 2013 arbeitete sie mit Vincent Riebeek an einer gemeinsamen Trilogie („Kein Applaus für Scheiße“, „Spirit“, „Wellness“), die 2015 mit „Schönheitsabend“ eine Fortsetzung fand. Mit ihrem neuesten Solostück „Apollon Musagète“ präsentiert Holzinger nun ihre erste Ballettarbeit.

//floholzinger.wordpress.com